Griffner Haus: Statt Börsengang und Volksaktie der totale Crash

Thomas Lenzinger, Hauptaktionär und Vorstand von Griffner Haus

Thomas Lenzinger, Hauptaktionär und Vorstand von Griffner Haus

Manche Geschichten sind dermaßen unglaublich und unglaubwürdig, dass ein Buchautor sich weigern würde, diese zu schreiben. Die Geschichte um das Griffner Haus ist eine derartige Geschichte, die ein Buchautor und sein Lektor als lebensfremd und gekünstelt ablehnen würden. Aber das Leben schreibt sie trotzdem.

Seit knapp 3 Monaten schreibe ich an dem Buch Wiener Zocker über Günter Kerbler, Fritz Scheck und ihre Freunde und darüber, wie diese Wiener Seilschaft Anleger abzocken. Mein Buch befindet sich mittlerweile bereits im Lektorat und sollte demnächst erscheinen. Lange haben wir überlegt, ob und wie gefährlich aus juristischer Sicht das Buch sein könnte. Fast jeder Satz wurde abgewogen und geprüft – und dann das. Es scheint, als wären wir noch viel zu zögerlich gewesen in unserer Beurteilung der Wiener Zocker.

Vielleicht ist es wirklich nur ein unwahrscheinlicher Zufall, dass der Name Günter Kerbler im Zusammenhang mit dem Skandal beim Kärnter Griffner Haus auftaucht. Andererseits pflastern Skandale den Weg des Günter Kerbler. Die Geschichte rund um die Insolvenz des Griffner Hauses ist genauso intransparent, unerklärlich und für Anleger desaströs wie es die conwert unter Günter Kerbler laut Anlegerschützer Wilhelm Rasinger war.

Ende 2011 hatte der Hauptaktionär und Vorstandsvorsitzende des Griffner Hauses, Thomas Lenzinger, davon geträumt, sein Unternehmen an die Börse zu bringen. 1998 hatte der Investmentbanker Lenzinger als Finanzinvestor mit seinem „Go Equity“-Fonds die Mehrheit am Griffner Haus übernommen. Expansion nach Irland, Deutschland, Italien war angesagt. Innovative Konzepte wurden präsentiert, zuletzt setzte man auf mehrstöckige Holzhäuser und wollte die Aktie des Unternehmens als „Volksaktie“ an der Börse platzieren. Günter Kerbler unterstützte als Investor und Berater die Pläne von Thomas Lenzinger und schwärmte von der groß angelegten Expansion. In einem Interview im Sommer 2012 überlegten Kerbler und Lenzinger, das Unternehmen nach Wien zu holen. „Und weil der Standort in Kärnten aus allen Nähten platzt“, sagen Kerbler und Lenzinger, „überlegen wir den Bau eines Werks in Wien.“ Alles schien in bester Ordnung. Kerbler war zu diesem Zeitpunkt längst mit 30 Prozent beteiligt.

Knapp 6 Monate später legt das Griffner Haus eine unglaubliche 25-Millionen-Pleite hin. Angeblich sind – so die Kleine Zeitung – müssen jetzt 100 Kunden um ihre Anzahlung fürchten, die von 30.000 bis 100.000 Euro reichen. Ganz abgesehen von ausstehenden Löhnen für 150 Mitarbeiter.

Irgendetwas stimmt an dieser Geschichte ganz und gar nicht. Kein Unternehmen kann innerhalb weniger Monate derartig „abschmieren“. Um das zu erreichen, genügt bloße Unfähigkeit eines Managements – wie dies jetzt begründet wird – definitiv nicht. Vor außen betrachtet sieht das eher wie ein Plan aus, sich über eine geplante Insolvenz zu entschulden. Es wirkt so, als wären vorher noch rasch Verbindlichkeiten aufgebaut, Büros saniert und Investitionen getätigt worden. Das medial kolportierte Konzept einer Nachfolgegesellschaft könnte vielleicht – Überraschung – vorsehen, diese Investitionen ohne die dazugehörenden Verbindlichkeiten zu übernehmen. Vielleicht noch verbunden mit ein paar Förderungen.

Laut Heribert Lederwasch von der österreichischen Creditreform wollen „mehrere Gläubiger Strafanzeige erstatten“. Ich bin sehr gespannt, wie das aussgeht und werde laufend darüber berichten. Und ich bin jetzt sehr froh, dass ich das Buch über die Wiener Zocker geschrieben habe!

3 Antworten zu “Griffner Haus: Statt Börsengang und Volksaktie der totale Crash

  1. Die Auffanggesellschaft wurde lt Firmenbuch schon am 12.12.2012 gegründet „Gewerk Errichtungs GmbH“
    Einer der Geschäftsführer Christian Bauer wurde im Herbst Vorstand bei Griffner. Also schon „Kerblers Fuß“ in der Tür.
    Was mir bei diesen Geschichten auffällt sind die großen Töne, die solche Leute wie Kerbler oder auch Lenzinger von sich geben.
    „Volksaktie“, „Bau eine Werks in Wien“ dabei waren sie nicht einmal imstande oder willens eine zeitnahe Bilanz 2011 zu veröffentlichen.
    Halbfertigprodukte ware überbewertet…Alles nur Show. Es gibt zwar eine Geschäftsführerhaftung aber dass sie einmal auch schlagend geworden
    wäre habe ich noch nie gehört. Bin schon gespannt auch ihr Buch!

    • Hallo zurück, bitte um Entschuldigung, dass ich die letzten Tage abwesend war hier am Blog aber die Fertigstellung des Buches nimmt mich derzeit sehr in Anspruch. Es sollte nächste Woche erscheinen, ich hoffe, dass Sie es spannend und informativ finden werden. lg Charlene

  2. Alles ein großes Drama, brave Häuslebauer unter die Zockerräder gekommen und brave Handwerker zusätzlich auch noch

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