Update am 13. März 2025, 14.00 Uhr: Es hat uns per Email eine Stellungnahme des Anwaltes von Robert Schimanko (Kanzlei Nesselhauf in Hamburg) erreicht. In dem Schreiben werden wir darauf hingewiesen, dass ein ein Wien kursierender CIA-Bericht, auf welchen sich dieser Bericht bezieht, offenbar falsch (phony) oder sogar abstrus wäre. Wiener Zocker hat hingegen die Authentizität des Berichts mit einem Beamten des BKA verifiziert.
Wir haben im überarbeiteten Bericht jedenfalls die Stellungnahme der Rechtsanwälte entsprechend berücksichtigt und inkludiert. Ebenfalls stellen wir den kursierenden CIA Bericht als Download zur Verfügung damit sich die Leser ein eigenes Bild machen können.
Der Bericht
Im Zuge der Ermittlungen gegen den mittlerweile inhaftierten österreichischen Immobilienunternehmer René Benko wurden zuletzt durch Krone und News enge Verbindungen zu Robert Schimanko, einem ehemaligen Banker mit bewegter Vergangenheit, aufgedeckt. Schimanko soll laut Krone für Benko auch dessen „emotional wichtige Gegenstände“ in einer Online-Auktion ersteigert haben. Also ist Schimanko in die Vermögensdispositionen des Rene Benko eingebunden. In welcher Rolle? Als Stiftungsvorstand?
Schimanko ist oder war SPÖ-Mitglied und ein Bekannter des ehemaligen Bundeskanzlers Alfred Gusenbauer der bei der Signa Gruppe auch eine prominente Rolle spielt. Aber da ist mehr. Man könnte auch sagen, dass, wo Schimanko auftaucht, Leute angeklagt, strafrechtlich verfolgt oder ins Gefängnis befördert werden.
Hintergrund zu Robert Schimanko
Die Spur von Robert Schimanko, geboren 1965, in den dunklen Finanzmärkten lässt sich bis in die 1990er Jahre zurückführen. Ehemalige Kunden von Schimanko berichten, dass seine Methoden bereits damals außerhalb der allgemein gültigen rechtlichen Normen standen. Aber der Reihe nach. Wir dürfen diesbezüglich auch aus einem Wiener Zocker vorliegenden bericht des CIA aus dem Jahr 2015 zitieren.
Robert Schimanko ist auch Vorstand der in Wien registrierten World Econcomic Council (WEC) dessen Personen eine irritierende Nähe zu Rene Benko und dessen Stiftungen haben. Schimanko selbst sitzt seit einigen Monaten als Vorstand in der INGBE Stiftung. Aber der Reihe nach.
Bericht über WEC und Rene Benko hier.
Die MIF Affäre
In den späten 1990er Jahren war Schimanko (LinkedIn Profil) bei der Bank Austria beschäftigt. Es war damals die Zeit der „New Economy“ mit dem Hype der Internet-Aktien. Im Auftrag der Bank Austria wurde er Direktor des 1996 vom Österreicher Michael Berger in New York gegründeten Manhattan Investment Fund (MIF). Der Fonds veranstaltete einen der größten Anlagebetrugsskandale mit einem Volumen von rund $500 Millionen US-Dollar, hält der CIA-Bericht fest. Die Bank Austria war angeblich mit $21 Millionen in diesem Fond investiert.
Bergers MIF-Anlagestrategie bestand darin, Leerverkäufe von Internet-Aktien zu tätigen, da er sie für überteuert hielt. Berger war aber zu früh mit seiner Strategie und MIF scheiterte. Tatsächlich sind die sogenannten New Economy-Aktien dann 2001 kollabiert aber Berger war deutlich zu früh dran. Er begann daher die Buchhaltung zu frisieren und die Renditen für die MIF-Kunden zu fälschen. Berger wurde 2000 von der U.S. SEC (Link) und dem DOJ (Link) wegen schweren Investmentbetrug angeklagt. Er gestand die Vorwürfe und wurde zu einer Haftstrafe verurteilt.

Berger floh jedoch vor der Verurteilung und lebte fünf Jahre als Flüchtiger, bevor er in Österreich festgenommen wurde. Dort verbüßte er eine zweijährige Haftstrafe, da er nicht in die USA ausgeliefert wurde. Berger hat damals Schimanko schwer belastet und von dessen Mitwirkung in dem Betrugsschema gesprochen. Die entsprechenden Aussagen liegen Wiener Zocker vor.
Die New York Times schreibt in ihrer Ausgabe vom 9. Juli 2007 von einem Verlust von $400 Millionen. In ihrer Presseaussendung im November 2001 spricht die U.S. SEC von einem Schaden von beinahe $400 Millionen (Zitat: … as a result of Berger’s trading strategy, the Fund consistently suffered losses which ultimately totaled nearly $400 million..). Die Wikipedia Eintragung zum MIF-Skandal spricht von Verlusten von $400 Millionen. In einer OGH Entscheidung in Österreich betreffend Michael B. wird von einem Vermögensschaden von mehr als $400 Millionen gesprochen.
Schimanko legt Wert auf die Darstellung, dass er nicht verhaftet und und nicht beschuldigt wurde wegen seiner Tätigkeit im Board der MIF. Sein Anwalt Christian Hausmaninger hatte damals die entsprechenden Maßnahmen gesetzt. Darüber hinaus bestreitet Schimanko die Höhe der öffentlich von Medien und Behörden kommunizierten Anlegerverluste der MIF.
Die Euro Invest Bank Epoche
Nach seinem Ausscheiden aus der Bank Austria übernahm Schimanko die Funktion des Prokuristen bei der skandalträchtigen Wiener Euro Invest Bank der Brüder Wanovits. Dort arbeitete er eng mit Rene Riefler zusammen, der als Vorstand tätig war. Die Euro Invest Bank, die später kollabierte, war tief in den Telekom-Skandal von 2004 verwickelt, in dem der Aktienkurs der Telekom Austria mutmaßlich manipuliert wurde. Johann Wanovits wurde dafür 2013 zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt (siehe Bericht Wiener Zocker).

Schimanko legt Wert darauf festzuhalten, dass er zum Zeitpunkt des Telekom-Skandals nicht mehr in der Bank beschäftigt war.
Schimanko und Riefler kooperierten in der Bank zudem mit Thomas Schätti, der später als enger Berater des A-TEC-Gründers Mirko Kovats in Erscheinung trat – ein weiteres Unternehmen, das letztlich in den Konkurs schlitterte.
In den letzten Jahren ist Schätti als Banker im Krypto-Segment aufgefallen. So wird er mit der Migom Bank in Verbindung gebracht, einer digitalen Bank, die sich auf Fintech, Gaming und Kryptowährungen spezialisiert hatte. Die Migom Bank existiert mittlerweile nicht mehr in ihrer ursprünglichen Form.
Die Bank, die sich als kryptofreundliche Neobank für „under-banked“ Märkte positionierte, wurde durch eine Reihe von Skandalen, rechtlichen Auseinandersetzungen und Betrugsvorwürfen sowie mit regulatorischen Problemen erschüttert. Im Jahr 2023 stellte die Bank ihre Geschäftstätigkeiten ein, und die Behörden in Dominica entließen den CEO Thomas Schätti aus der Führung. Ein unabhängiges Team wurde eingesetzt, um die Insolvenzverfahren der Bank zu leiten.

Schätti ist mit massiven Betrugsvorwürfen konfrontiert:
- Er soll zwischen 2020 und 2022 gefälschte Finanzberichte an die US-Börsenaufsicht (SEC) eingereicht haben, um den Wert der Migom Global-Aktien künstlich aufzublähen.
- Er soll mindestens 50 Millionen US-Dollar von Migom Bank veruntreut haben, indem er Gelder auf Konten von Migom Investments SA umleitete, einer nicht regulierten Firma, die er kontrollierte.
Angeblich laufen Gespräche mit den klagenden Investoren hinsichtlich eines Vergleichs.
Mehr zu Thomas Schätti hier lesen.
Die RRS Ära
Zurück zu Schimanko. Nach seiner Zeit bei der Euro Invest Bank gründeten er und Riefler die RRS Capital Strategies Services GmbH, die sich auf spezielle Investmenttransaktionen konzentrierte. Diese Aktivitäten führten jedoch zu weiteren rechtlichen Problemen, und die Firma wurde schließlich von der österreichischen Finanzmarktaufsicht (FMA) unter Kuratel gestellt.
Schimanko legt Wert darauf festzuhalten, dass er zum Zeitpunkt der FMA-Transaktion nicht mehr Gesellschafter der RRS war und auch nicht mehr für diese tätig war.
Der Schweizer Reitstall
Schimanko gründete in der Schweiz die Reitzentrum Sihlbrugg AG (Webseite) eine Aktiengesellschaft mit Sitz in Neuheim, Kanton Zug, die im Juni 2023 ins Handelsregister eingetragen wurde. Bis zu seinem Ausscheiden im selben Monat war er als Mitglied des Verwaltungsrates mit Einzelunterschrift tätig. Eine direkte geschäftliche Verbindung zwischen Benko und diesem Unternehmen ist bislang nicht belegt. Allerdings fiel Benko in der Vergangenheit durch den Erwerb von millionenteuren Pferden auf, was Fragen zu seinen finanziellen Prioritäten und Netzwerken aufwirft.
Verbindungen zu Ronny Pecik
Schimanko galt als enger Vertrauter des österreichischen Investors Ronny Pecik.
Anfang der 2000er Jahre hat Pecik mit Schimanko dann die M&A Privatbank gemacht die wiederum in enger Verbindung mit dem Madoff Ponzi Schema stand. Die M&A Privatbank wurde schwerst angeschlagen 2009 an die GRAWE Gruppe entsorgt.
Gemeinsam waren Pecik und Schimanko auch in der Schweiz aktiv, insbesondere bei der Firma Oerlikon, wo Pecik investiert war. Pecik soll sein Vermögen als Frontmann für ukrainische und russische Oligarchen gemacht haben, meint der CIA.
Laut einem CIA-Bericht aus dem Jahr 2015 soll Pecik gemeinsam mit dem Wiener Immobilien-Investor Georg Stumpf bei der Oerlikon-Transaktion als Strohmann für den russischen Oligarchen Viktor Vekselberg fungiert haben. Der CIA-Bericht hält explizit fest, dass Pecik rund um Oerlikon „illicit activities“ getätigt haben soll mit Hilfe von Schimanko:
As noted above, Pecik’s illicit activities in Switzerland in the early 2000s – using the discreet acquisition of minority share positions to take over the technology company Oerlikon – benefitted not only Russian oligarch Viktor Vekselberg, but also the Russian Federation, because Oerlikon possessed sensitive technology that was sought after by state-owned Russian companies.
Pecik and his then-business partner, George Stumpf, executed a secret deal with Russian oligarch Viktor Vekselberg („Vekselberg“), in violation of Swiss securities law, whereby Vekselberg, via his investment company Renova, was able to purchase a controlling stake in Oerlikon without seeking Swiss regulatory approvals via derivatives and options contracts. Pecik and Stumpf made the same play with another Swiss company, Sulzer AG. and also sold the shares to Vekselberg.
Pecik’s RBB Bank also collapsed in 2000, and interestingly was acquired by the same bank that acquired M&A in 2009: Capital Bank-GRAWE Gruppe AG. Despite the failing of RBB Bank and MIF, in which Schimanko was involved, Schimanko and Pecik were able to establish M&A Privatbank with the backing of Karin Wlaschek and Mirko Kovats, a Serbian Austrian businessman who is also mired in controversy and has several criminal investigations pending against him.
Quelle: CIA Bericht aus 2015
Pecik selbst betont jedoch, dass er seit 2009 weder beruflich noch privat Kontakt zu Schimanko habe und dass ihre Zusammenarbeit damals nicht im Guten endete.
CIA-Bericht über Ronny Pecik hier herunterladen.
Aktuelle Entwicklungen und Verbindungen zu René Benko
In den letzten Jahren trat Schimanko erneut in Erscheinung. Seit dem 18. November 2024 ist er als Stiftungsrat in der INGBE Stiftung tätig, einer Stiftung, die eng mit René Benko verbunden ist. Kurz vor Benkos Festnahme am 23. Jänner 2025 trafen sich Schimanko und Benko in Benkos luxuriösem Chalet N in Lech. Dieses Treffen wurde von Benko bewusst geheim gehalten, indem er die Chalet-Managerin anwies, keine Gästemeldung vorzunehmen wie News berichtet.
Neben Schimanko spielen auch noch andere WEC Mitglieder eine interessante Rolle im Benko-Umfeld. Der WEC CEO Thomas Limberger hat parallel zu Schimanko die Rolle als Stiftungsvorstand in Benkos Laura Privatstiftung übernommen.
Das Netzwerk dahinter
Schimankos Netzwerk umfasst mehrere Personen aus der Finanzbranche, die in verschiedene Skandale verwickelt waren:
| Name | Rolle/Position | Verbindungen |
|---|---|---|
| Robert Schimanko | Investment-Berater, WEC Vorstand | Vorstand in Benkos INGBE Privtstiftung, Weggefährte von Ronny Pecik und Thomas Limberger |
| Ronny Pecik | Österreichischer Investor M&A Privatbank | Ehemaliger Geschäftspartner von Schimanko; Verbindungen zu ukrainischen und russischen Oligarchen laut CIA-Bericht. |
| Alfred Gusenbauer | Aufsichtsrat Signa Gruppe | Bekannter und SPÖ-Parteigenosse von Schimanko |
| Johann Wanovits | Gründer der Euro Invest Bank | Schimanko war als Prokurist in der Euro Invest Bank tätig; Wanovits wurde 2013 wegen Aktienkursmanipulation verurteilt. |
| Thomas Schätti | Banker im Krypto-Segment | Arbeitete mit Schimanko bei der Euro Invest Bank; später Berater von A-TEC-Gründer Mirko Kovats; involviert in Krypto-Banking-Skandale. Mastermind bei MIGOM |
| Rene Riefler | Euro Invest Bank RRS Capital Services Strategies | Partner von Schimanko in diversen Firmen und Projekten |
| Mirko Kovats | A-Tec Gründer Euro Invest Bank Kunde | Partner von Schimanko und Pecik in der M&A Privatbank |
| Rene Benko | Gründer Signa Gruppe | Geschäftspartner von Schimanko und dessen Stiftungsvorstand in der INGE Stiftung |
| Thomas Limberger | WEC CEO (Link) | Vorstand in Benkos Laura Privatstiftung |
| Moshe Buller | WEC Ambassador, Israelischer Cybersecurity Experte | Hat für Rene Benko bzw. die Signa Geschäftspartner ausspioniert. |
Schlussfolgerung
Die Verbindungen zwischen René Benko und Robert Schimanko sowie das umfangreiche Netzwerk von Schimanko werfen Fragen über mögliche undurchsichtige Geschäftsgebaren auf. Die enge Verflechtung dieser Personen in verschiedenen Finanzskandalen der Vergangenheit unterstreicht die Notwendigkeit einer gründlichen Untersuchung, um potenzielle illegale Aktivitäten aufzudecken und die Integrität des Finanzsystems zu gewährleisten.


Hinterlasse eine Antwort zu Signa: War Rene Benko ein Einzeltäter? | Ceiberweiber Antwort abbrechen