War das einer der größten Compliance-Skandale im diskreten Privatbanking Europas? Die Wiener Kathrein Privatbank, einst ein Refugium für wohlhabende Kunden, steht vor einem existenziellen Problem: Eine 50-Millionen-Euro-Klage, die nicht nur die Bank selbst, sondern auch ihre Muttergesellschaft, die Raiffeisen Bank International (RBI), ins Rampenlicht rückt.
Jahrzehntelange Malversationen oder gezieltes Wegsehen?
Wie konnte es geschehen, dass über Jahrzehnte hinweg ein einzelner Mitarbeiter Kundengelder in Millionenhöhe veruntreuen konnte? Waren es kriminelle Energien eines Einzelnen – oder einfach ein kollektives Versagen der Bank, das nur durch heftiges Wegsehen oder schlichte Unfähigkeit erklärt werden kann? In der Raiffeisen-Gruppe würde nach den Erkenntnissen in Verbindung mit den Wiener Immobilien-Zockeren Letzteres nicht überraschen.
Dass das diskrete Privatbanking der Kathrein Privatbank zum Tatort für Finanzmanipulationen wurde, offenbart eine gravierende Schwachstelle im System. Laut der Klageschrift sollen mindestens zehn Kunden betroffen sein, mit einer Schadenssumme von über €27 Millionen. Dass all das unbemerkt blieb – trotz angeblicher Sicherheitsmechanismen wie dem „Vier-Augen-Prinzip“ – ist entweder ein Armutszeugnis für die Compliance-Abteilung oder ein unfassbares Maß an Ignoranz.
Die Raiffeisen-Verbindung: Eine Mutterbank mit eigenen Problemen
Seit 1987 gehört die Kathrein Privatbank zu 100% der Raiffeisen Bank International (RBI). Eine Bank, die selbst derzeit mit massiven Problemen kämpft: Westliche Sanktionen gegen Russland setzen der RBI stark zu, und es drohen möglicherweise milliardenschwere Abschreibungen. Während also die RBI verzweifelt versucht, sich aus dem Russland-Drama zu retten, muss sie sich nun auch noch mit einem Compliance-Desaster bei ihrer Privatbank-Tochter herumschlagen.
Dass sich in Österreich über Jahre hinweg Finanzskandale ohne ernsthafte Konsequenzen abspielen, ist ja fast schon eine liebgewonnene Tradition. Man denke nur an die Wiener Immobilienzocker à la Lukas Neugebauer, die ländliche Raiffeisenbanken systematisch geplündert haben – offenbar ohne, dass es irgendwen ernsthaft gestört hätte. Auch hier gilt: Solche Dinge passieren nicht durch Zufall, sondern durch eine institutionelle Kultur des Wegsehens und Verdrängens.
Wird die Klage Kathrein Privatbank das Genick brechen?
Doch diesmal könnte es für die Kathrein Privatbank eng werden. Ein 50-Millionen-Euro-Schaden ist für eine kleine Privatbank kein Klacks, erst recht nicht, wenn die internationale Reputation leidet. Wer will noch sein Geld einer Bank anvertrauen, die jahrelang unbemerkt von einem einzigen Mitarbeiter ausgenommen wurde?
Offenbar haben in diesem Fall sämtliche Compliance-Mechanismen in der Bank über Jahrzehnte hinweg grundlegend versagt,“ sagte Rechtsanwalt Lukas Aigner zur APA. Auch der ebenfalls mit dem Fall betraute Anwalt Benjamin Zupancic sprach von einem „schockierenden Bankenversagen“ (Quelle: APA via OÖN)
Die Bank selbst behauptet, sie sei finanziell gut gerüstet. Doch der Imageschaden ist längst angerichtet. Und wenn Kunden und Investoren das Vertrauen verlieren, dann ist es nicht die Klage allein, die die Bank in die Knie zwingt – sondern der schleichende Exodus der Vermögenden, die ihr Kapital in diskretere und vor allem sicherere Gefilde verlagern.
Man darf gespannt sein, ob sich Kathrein Privatbank und die RBI aus dieser Affäre noch einmal herauslavieren können – oder ob hier gerade ein weiterer Finanzskandal mit Ansage seinen Lauf nimmt.
Wir würden wie immer gerne mehr wissen und ersuchen in diesem Kontext um Informationen via Kommentar oder Email an office@wienerzocker.com.


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