Die Wienwert-Pleite – so typisch für den Finanzplatz Wien

Die spektakuläre Pleite der Wienwert-Gruppe hat das Potenzial, ein würdiger Nachfolger der großen vergangenen und gegenwärtigen Immobilienskandale Immofinanz und BUWOG zu werden. Derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft rund um den Totalverlust für 900 Anleihe-Gläubiger. Eine politische Dimension ist dabei nicht auszuschließen. Wien ist viel zu klein als dass Immobilienprojekte dieser Größenordnung ohne politische Berührungsflächen auskommen.


Wien ist anders

Wien ist anders - speziell am Finanz- und Immobilenmarkt

„Wien ist anders“ war einmal (oder ist es noch) der Werbeslogan der Stadt. Und nichts könnte richtiger sein. Schon gar nicht, wenn man über den Wiener Finanzmarkt redet. Zwar verfüge ich über keine statistischen Daten und bezweifle, dass es solche überhaupt gibt aber es scheint jedenfalls so, dass die Anzahl der Manipulationen und Malversationen am Wiener Finanzmarkt umgekehrt proportional zu dessen internationaler Bedeutung ist. Der freie Markt ist nicht in Wien. Die Realität ist, dass der Wiener Finanzmarkt als Oligopol funktioniert und die wenigen wichtigen Netzwerke und deren Institutionen regelmäßig Absprachen über Projekte und Preise treffen. Das war vor 40 Jahren so bei den Zinsabsprachen der Banken, vor 30 Jahren in der Lielacher-Ära bei der Absprache von Börsenkursen und ist heute so. Wien ist eben anders? Yes, it is!

Naive Anleger finden kriminelle Energie

Friedrich Scheck

Friedrich Scheck – einer aus der Ahnengalerie der Immobilien-Zocker.

Die Manipulation des Finanzmarktes rund um Immobilienunternehmen hat Tradition in Österreich. Nicht zuletzt wegen der schamlosen Abzockerei der Anleger rund um die ECO Business Immobilien AG von Friedrich Scheck im Zusammenspiel mit seinem Freund Günter Kerbler und dessen Conwert Immobilen Invest SE wurde die Seite WienerZocker ins Leben gerufen. Daneben haben wir die Immofinanz und die BUWOG erlebt, um nur die großen Skandale aufzuzählen.

Der aktuelle Skandal um die Pleite der Wienwert ist eigentlich ein Skandal der Absprachen und des Mauschelns. Zwar weist die österreichische Journalistin Angelika Kramer in ihrem Artikel „Wienwert-Pleite – Wenn die Alarmglocken Sturm läuten“ die Schuld am Totalverlust der Anleger diesen selber zu und meint, dass schon aus den veröffentlichten Daten von Wienwert jeder vernünftiger Anleger erkennen hätte müssen, dass das mit hoher Wahrscheinlichkeit schief gehen wird. Selbstverständlich kann man Kramer in ihrer Argumentation folgen aber sie greift bei näherer Betrachtung doch etwas zu kurz.

Es ist auch so, dass viele Wiener Immobilienverkäufer von Wienwert profitiert haben und dem Unternehmen in teilweise betrügerischer Weise Immobilien zu völlig überhöhten Preisen verkauft und abgezockt haben. Uns sind Fälle bekannt bei denen Wienwert Millionen an sogenanntem „Angeld“ an Verkäufer aus dem Staatsumfeld gezahlt hat ohne dann die Immobilien zu erhalten. Inwieweit das Wienwert-Management darin verwickelt und damit den Tatbestand der Untreu erfüllt hat, lässt sich derzeit noch nicht konkret feststellen. Jedenfalls aber sind das die Millionen, die dem Unternehmen letztlich für die Vermeidung der Insolvenz gefehlt haben könnten. Es gab viele Profiteure im Umfeld der Wienwert. Immobilienverkäufer, Vermittler, Rechtsanwälte und auch Banken. Und selbstverständlich kennt die Szene die Namen und Transaktionen.

Insofern würde ich Schlussfolgerung von Angelika Kramer insofern ergänzen als sich die Naivität der Anleger mit der kriminellen Energie von handelnden Personen rund um die Wienwert zu einem Supergau für den österreichischen Finanz- und Immobilienmarkt entwickelt haben. Wienwert setzt die schaurige Tradition der Immobilien-Skandale fort. Betroffen sind laut PRESSE rund 900 Investoren die 16 Anleihen im Gesamtwert von 35,3 Mio. Euro gezeichnet haben sowie weitere 148 Gläubiger, die ihre Forderungen angemeldet haben. Das Gesamtvolumen der Forderungen steigt somit laut Masseverwaltern Norbert Abel auf 79 Mio. Euro.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt

Marion Hohenecker führt den BUWOG-Vorsitz

Marion Hohenecker führt den Vorsitz beim aktuellen Immobilien-Verfahren BUWOG

Noch ist der letzte große Immobilienskandal – die BUWOG – nicht annähernd erledigt. Die vorsitzende Richterin Marion Hohenecker wird wohl noch dutzenden Tagsatzungen bis 2019 vorsitzen bevor sie ihr Urteil spricht. Sie wird hoffentlich rechtzeitig fertig bevor Wienwert angeklagt wird.

Ich hatte die Möglichkeit mir eine Strafanzeige eines Insiders durchzulesen und verfüge über weitergehende Informationen aus dem Umfeld der Wienwert. In Kenntnis dieser Informationen wäre ich überrascht, wenn es zu keiner Anklageerhebung kommt. Im Gegenteil rechne ich damit, dass sich der Skandal ausweitet und einige Wiener Immobilien-Netzwerke erfassen wird. Die Wiener Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) ermittelt derzeit wegen des Verdachts auf Untreue und Bilanzfälschung gegen die Manager.

[Fortsetzung folgt]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s