Neuauflage der Family and Friends-Aktivitäten bei Conwert

Es liegt wohl in den Genen es Unternehmens: die von Friedrich Scheck und Günter Kerbler begonnene Freunderlwirtschaft (siehe auch Immobilien-Zeitung) im Conwert-Konzern geht ungebrochen weiter. In der Vorwoche gab das Management unter dem Verwaltungsratsvorsitzendem Johannes Meran folgende Stellungnahme zum erhobenen Vorwurf der Freunderlwirtschaft heraus: Die Mandatierung von Beratern erfolgt lediglich nach leistungsbezogenen Kriterien und wird kontinuierlich auf Drittvergleichsfähigkeit geprüft.“ Verwandtschaftsverhältnisse von einzelnen Verwaltungsratsmitgliedern seien dabei irrelevant! Auch beim Honorar von Currus Capital sei selbstredend alles in Ordnung gewesen. Soweit das sich verteidigende Management.

Die explosiven Fakten sehen aber nicht so harmlos aus:

  • Berater der Conwert beim mehrheitlichen Kauf der Hamburger Kommunale Wohnen AG (KWG) war die Currus Capital mit Sitz in Bratislava.
  • Wirtschaftlich Berechtiger der Currus Capital (Einlage: 500 Euro) ist laut Auskunft bei der Hauptversammlung der Deutsche Stefan Staubach. Der Investmentbanker war insgesamt rund zehn Jahre bei Morgan Stanley und Goldman Sachs tätig – von daher kennt er Conwert-Verwaltungsratschef Johannes Meran. Von August 2011 bis Juni 2012 war Staubach bei Petrus Advisers – jener Gesellschaft, die ihre Conwert-Aktien an Haselsteiners Privatstiftung verkauft hat (via Albona in Malta). Im Vorjahr hat Staubach die Conwert-Aktionärin Albona Ltd. bei der Hauptversammlung vertreten.
  • Beraterin Currus Capital wurde am 20. Juli 2012 in Bratislava ins Handelsregister eingetragen. Überraschend schnell wurde am 29. November den Conwert-Verwaltungsratsmitgliedern die Mandatsvereinbarung für die „exklusive Beratung hinsichtlich der finanziellen Aspekte der Transaktion“  übermittelt; es folgte die Zustimmung per Umlaufbeschluss. Rund zwei Monate später war der Deal unter Dach und Fach; das Projektteam war laut Vertrag von Staubach geleitet worden und habe „zusätzlich zwei weitere Personen umfasst“ . Das Honorar betrug 0,5 Prozent der Transaktionssumme; „diese Erfolgsgebühr“  war laut Vertrag „mit zwei Millionen Euro gedeckelt“. Dieser Betrag floss dann auch.

In der Hauptversammlung im Mai 2013 wurden noch weitere Transaktionen thematisiert, die darauf hinweisen, dass sich Verwaltungsratspräsident Johannes Meran als gelehriger Schüler für die von Kerbler, Kowar und Scheck in den Vorjahren praktizierte Methode der Aktionärs-Abzocke erwies. So gäbe es seit Kurzem auch einen neuen Regionalleiter von Conwert, der mit Meran verwandt ist. 2011 habe das Unternehmen weiters ein Immobilienportfolio an einen Verwandten von Meran verkauft.

Alexander Proschofsky fordert als Aktionärsvertreter berechtigterweise den kompletten Rückzug von Johannes Meran aus dem Unternehmen und eine Überprüfung der getätigten Friends and Family-Transaktionen. Volle Zustimmung! Aber wenn schon denn schon, und zwar umfassend: da würde ich im Sinne der Aktionäre doch dafür plädieren, die diesbezügliche forensische Analyse auch auf die Ära von Kerbler, Scheck und Kowar auszudehnen.

Interessant auch das Interview, das das Wirtschaftsblatt mit Johannes Meran vor Kurzem geführt hat. Er wurde dabei zu Wertberichtigungen und Abschreibungen aus der Kerbler- und Scheck-Ära befragt:

Ja, wir haben über die letzten Jahre die Bilanz maßgeblich aufgeräumt. Dabei wurden die Firmenwerte der Conwert komplett und auch Eco Immobilien maßgeblich abgewertet. Die Firmenwerte waren ursprünglich beim Ankauf der Management-Gesellschaften 2007 durch das frühere Management entstanden, die für rund 216 Millionen € mit großer Zustimmung der Aktionäre zugekauft worden waren. 90 Millionen € davon wurden bereits 2010 berichtigt. Der Rest wurde Ende 2012 abgeschrieben.
[…]
Rückblickend betrachtet waren diese Käufe wirtschaftlich keine gute Entscheidung für die Conwert.

Das ist ja wohl die Untertreibung des Jahres: € 216 Millionen in die Taschen von Familie und Freunde zu stecken, geht weit über wirtschaftliche Fehlentscheidungen hinaus. Aber eine Krähe hackt der anderen eben kein Auge aus …

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