Die Zocker

Bei den folgenden Personen handelt es sich um ausgewählte Protagonisten der Wiener Kapitalmarkt- und Investorenszene. Es ist mir natürlich bewusst, dass die Auswahl möglicherweise willkürlich erscheint aber ich habe mich bemüht, stringente Regeln anzuwenden. Zu diesem Zweck habe ich mir ergänzende Informationen eingeholt, teilweise Interviews geführt und mit Leuten gesprochen, die persönlichen Zugang zu diesen Protagonisten haben. Dann habe ich die Fäden gesponnen. Im Buch kommen noch viele andere Personen vor, die es aber noch nicht in diese Liste der Zocker geschafft haben.

Günter Kerbler

Günter Kerbler

Günter Kerbler

Kerbler ist der Prototyp eines umtriebigen Unternehmers und startete seine berufliche Karriere als Gastronom und hatte in Wien mehrere Gastronomiebetriebe und Lokalitäten. Neben dem Immobilien-Sektor war Kerbler in seiner Frühzeit auch in der Medienlandschaft tätig. Unter anderem war er Teilhaber der Arbeiterzeitung, bis 1999 war er auch beteiligt an den Verlagen Erb und New Business sowie dem Wiener Stadtmagazin Falter.

Nach diversen unternehmerischen Projekten aus verschiedensten Branchen gründete Kerbler im Juni 2001 die conwert Immobilien Invest AG, die sich auf den Kauf und die Vermietung von Altbau-Wohnungen sowie auf deren Sanierung spezialisiert hat und etwa 1000 Wohnobjekte im In- und Ausland besitzt. Seit 2002 notiert conwert an der Wiener Börse, wobei Kerbler bis zum Frühjahr 2007 Vorstandsvorsitzender und dann in den Aufsichtsrat wechselte. 2010 schied Kerbler nach dem Einstieg des österreichischen Industriellen aus der conwert aus. Sein Privatvermögen wird in Wikipedia auf etwa 150 Millionen Euro geschätzt. Mit Friedrich Scheck verbindet ihn eine seit Jahrzehnten andauernde berufliche und private Beziehung.

Friedrich Scheck

Friedrich Scheck

Friedrich Scheck

Friedrich Scheck ist im Brotberuf Steuerberater und kehrt nach diversen Ausflügen auch stets in seine Kerndisziplin zurück. Er gilt als sehr Vielarbeiter und umtriebiger Netzwerker. Seine ersten Erfolge feierte er angeblich damit, freiberuflich Tätige und Einzelunternehmer steueroptimal in GmbHs umzuwandeln. Er war nach Aussage mehrerer Befragter lange Zeit der einzige Nichtakademiker und Steuerberater, der als Masseverwalter in Wien tätig war. Enge Bekanntschaften mit dem Chef der Finanzprokuratur und dessen Frau, die als Richterin am Handelsgericht Wien tätig ist, dürften ihm dabei sehr geholfen haben. In den späten 1990er Jahren hat er relativ erfolglos Software-Unternehmen eingekauft und dabei hohe Schulden angehäuft. Diese Unternehmen fasste er in der i-online ag zusammen. Anteile an dieser i-online ag hat Scheck am Höhepunkt des Dotcom-Booms gegen Aktien an die börsennotierte Wiener Internetfirma Yline verkauft. Mit dem Verkauf dieser Aktien konnte er sich entschulden, der Aktienverkauf selbst brachte ihm eine Anklage wegen schweren Betrug und Insiderhandel ein. 2003 gründete er gemeinsam mit seinem langjährigen Freund Günter Kerbler die ECO Business Immobilien AG. Die Höhe seines Vermögens ist unbekannt, dürfte aber im höheren zweistelligen Millionenbereich liegen. Als „erflog- und glückloser“ Manager (Zitat Der Standard“) schied er 2009 aus der ECO Business aus und betreibt seither die WT80 Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungskanzlei. Schwerpunkt liegt dabei u.a. auch bei innovativen Immobilienfinanzierungskonzepte für Gemeinden. Mit seinem Standeskollegen Bernhard Huppmann verbindet ihn eine jahrzehntelange Geschäftsbeziehung.

Bernhard Huppmann

Bernhard Huppmann

Dr. Bernhard Huppmann

Bernhard Huppmann ist Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. Lange Jahre war er als geschäftsführender Partner bei Arthur Andersen in Wien tätig. Nach dem Zusammenbruch ist Huppmann ebenfalls als geschäfsführender Partner zu Deliotte gewechselt. In der Wiener Szene ist Huppmann ein bekannter Wirtschaftsprüfer und war bzw. ist verantwortlicher Wirtschaftsprüfer bei börsennotierten Unternehmen. Er wurde nach der Insolvenz von Libro angeklagt und im Juni 2011 zu einer noch nichts rechtskräftigen Haftstrafe von 3 Jahren, davon eines unbedingt, verurteilt. Die Verurteilung erfolgte wegen Bilanzfälschung bzw. Testierung einer wissentlich falschen Bilanz. Bernhard Huppmann ist ein langjähriger Freund und Geschäftspartner von Friedrich Scheck und hat als Wirtschaftsprüfer die Bewertung der i-online software ag gemacht bzw. bestätigt. Deswegen wurde er zunächst als Beschuldigter im Strafverfahren Yline geführt aber angeblich 2006 aus dem Verfahren ausgeschieden. Auch bei der von Friedrich Scheck gegründeten und geführten ECO Business Immobilien AG war er als Wirtschaftsprüfer tätig und hat laut Anzeige bei der FMA vom April 2006 dort nicht erkannt, dass der Geschäftsbericht falsch war.

Thomas Keppert

Thomas Keppert

Thomas Keppert

Thomas Keppert ist Steuerberater und Wirtschaftsprüfer in Wien. Daneben ist noch gerichtlicher Sachverständiger und beeideter Immobiliensachverständiger und trat zuletzt als Gutachter beim BAWAG-Skandal öffentlich in Erscheinung. Er gilt als Hardliner unter den gerichtlichen Sachverständigen ist aber seit seinem Gutachten bei der Hypo Alpe Adria umstritten. Er war bzw. ist Gutachter in mehreren großen Strafprozessen. Unter anderem ist er der Gutachter bei der Strafsache Yline wo Friedrich Scheck zunächst Beschuldigter und nun Angeklagter ist. Vor einigen Jahren war Keppert in den Finanzsskandal AMIS involviert. Er war der Steuerberater von AMIS und dessen Vorstandsvorsitzenden Dietmar Böhmer. Es wurde ihm vorgeworfen, dass er das betrügerische Pyramidensystem von AMIS jahrelang mitgetragen hatte. Er wurde vor einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss zitiert und konnte letztlich weitere Ermittlungen gegen ihn verhindern. Deutsche Anleger haben Strafanzeige gegen Keppert wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung eingebracht. Die Anzeige wurde eingestellt. Keppert ist seit 2002 Gutachter im Yline-Verfahren und prüfte bzw. bewertete ab 2003 Immobilien für die ECO Business Immobilien AG, die Friedrich Scheck zunächst als Alleinvorstand führte.

Dietmar Böhmer

Dietmar Böhmer

Dietmar Böhmer

Dietmar Böhmer ist Absolvent der Wirtschaftsuniversität in Wien und wird von Freunden als bescheidener und angenehmer Zeitgenosse beschrieben. Seine Karriere als Zocker begann Mitte der 1990er Jahre als er zur damaligen AMV GmbH stieß, die vom ehemaligen BAWAG-Generaldirektor Partik und seiner Frau Partik-Wordian gegründet wurde. Daraus entstand 1998 über mehrere Umgründungen und Umfirmierungen die AMIS. Diese hat durch eine sophistiziertes Pyramidenspiel die Anleger um rund 65 Millionen Euro geschädigt, darunter zumindest 6.000 deutsche Anleger.

Böhmer wurde 2007 wegen schweren gewerbsmäßigen Betrug zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt ist aber zwischenzeitlich bereits entlassen worden. Im Gefängnis dürfte er tatsächlich geläutert worden sein, denn er gibt sich als tiefgläubiger, bereuender Mensch. Er betreibt mit www.wirtschaftsgott.com eine Seite zur Förderung ethischer und christlicher Werte in Wirtschaft und Gesellschaft und ist Kurator der evangelischen Gemeinde im österreichischen Voitsberg. Eine erfreuliche Entwicklung. Keppert war sowohl der Steuerberater der AMIS als auch jener von Dietmar Böhmer.

Rudolf Fischer

Ex-Telekom-Vorstand Rudolf Fischer als Wiener Zocker

Rudolf Fischer

Der frühere Telekom-Vorstand Rudolf Fischer wurde im zuletzt Ende Februar abgeschlossenen Verfahren rund um Kursmanipulationen mit den Aktien der Telekom wegen Untreue zu drei Jahren Haft verurteilt, zwei Jahre davon bedingt. Das Urteil der ersten Instanz ist noch nicht rechtskräftig. Weitere Anklagen warten noch auf den ehemaligen Vorstand der Telekom.

Fischer ist derzeit Drittel-Gesellschafter und einer der Geschäftsführer der Smart Living GmbH. Die Firma, die am noblen Wiener Opernring domiziliert, definiert sich als Anbieter für “Gesamtkonzepte im Bereich In- und Outdoor-Living”. Das Geschäft dürfte nicht schlecht laufen, Fischer gab bei seiner Einvernahme ein Nettoeinkommen als Unternehmer von 6000 bis 7000 Euro monatlich an. Zum Vermögen sagte er nichts, an Belastungen hat er einen Hypothekarkredit von rund 300.000 Euro.

Fischer hat zugegeben, als Entlohnung für den Banker Johann Wanovits, der den Telekom-Kurs auf den für das Optionsprogramm erforderliche Niveau trieb, 500.000 Euro freigegeben zu haben. Die Hälfte davon hat Fischer bereits privat zurückgezahlt, um den Schaden gutzumachen. Fischer hat jedoch stets bestritten, dass er den Banker Johan Wanovits direkt für Kursmanipulationen bezahlt hätte. Vielmehr wäre die behauptete Kursmanipulation auf eigenes Risiko der Euro Invest Bank von Wanovits passiert. Das bezahlte Geld hingegen wäre für Gegengeschäfte gewesen.

Johann Wanovits

Johann Wanovits von der Euro Invest Bank

Johann Wanovits

Der Banker aus dem österreichischen Burgenland hat die Euro Invest Bank im Jahr 1989 gegründet. Neben seinem Beruf als Investmentbanker ist Wanovits auch burgenländischer ÖVP-Mandatar auf Gemeindeebene. Insgesamt, so scheint es, führt Johann Wanovits ein rühriges Vereinsleben. Auf seiner LinkedIn-Seite sind als Vereinsaktivitäten angegeben : Mitglied des ATX-Kommitees, Finanzreferent des Burgenländischer Blasmusikverband, Rechnungsprüfer des Österreichischen Blasmusikverbandes, Obmann des Musikverein Dörfl, „Barrique de Beurse“.

Johann Wanovits wurde in Verbindung mit behaupteten Kursmanipulationen rund um die Telekom-Aktie angeklagt. Ein Urteil wird diesbezüglich für März 2013 erwartet. Die übrigen Angeklagten des Verfahrens – darunter auch Rudolf Fischer – wurden von der ersten Instanz bereits zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt wobei die Urteile noch nicht rechtskräftig sind.

Werner Böhm

Werner Böhm

Werner Böhm

Der ehemalige Banker und IBM-Manager wurde Ende 2012 gemeinsam mit 11 weiteren Personen – darunter auch der Wiener Zocker Friedrich Scheck – unter anderem wegen Insider Handel und Untreue angeklagt. Böhm hat 1998 die später börsennotierte Wiener Internetfirma YLine gegründet, die nach einem medial hochgekochten Streit mit der IBM im September 2001 Konkurs anmelden musste. In mehr als 11 Jahren Ermittlung wurden die Vorwürfe gegen Böhm, Scheck und andere herausgearbeitet.

Die Anklage ist noch immer nicht für alle Verfahrensbeteiligten rechtskräftig. Insgesamt sollen die Anleger laut Staatsanwalt durch den Insiderhandel der Organe einen Schaden von mehreren Millionen Euro verzeichnet haben. Böhm werden von den Medien beste Kontakte zur Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) nachgesagt. Der ehemalige Finanzminister Karl-Heinz Grasser war direkt oder über seine Familie in der YLine-Gruppe investiert.

Robert Schimanko

Robert Schimanko - Wiener Zocker von der Euro Invest Bank

Robert Schimanko

Der heutige Reitstall-Besitzer Robert Schimanko war in den späten 1990er Jahren in seinen ersten Anleger-Skandal in New York verwickelt. Er wechselte 1999 in die Euro Invest Bank, wo er bis 2001 als Prokurist tätig war. Dort war er unter anderem für die YLine AG als Investmentbanker zuständig. Nach dem Konkurs der YLine schied Schimanko aus der Euro Invest Bank aus und gründete mit dem ehemaligen Vorstand der Euro Invest Bank, Rene Riefler, die RRS Capital Strategies Services GmbH in Wien. Das war eine kleine Bank in Wien, die sich auf spezielle Investmenttransaktionen fokussierte.

Schimanko hielt sich die letzten Jahre im Kreis des Wiener Investors Ronny Pecik auf und galt Vielen auch als dessen Statthalter in der Schweiz (siehe Bericht in der NZZ).

 

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