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Neugebauer vor Gericht: Erste Runde im großen Wiener Zocker-Krimi – und es geht (noch) nicht um den Kern

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Wiener Immoblien-Spekulant Lukas Neugebauer in LNR Ruine mit teurer Uhr

Die erste Tagsatzung im Strafverfahren gegen den als „Mini-Benko“ titulierten Wiener Immobilien­spekulanten Lukas Neugebauer ist gelaufen. Wer ein rasches Finale zum mutmaßlichen Bankenbetrug der LNR-Gruppe erwartet hat, wurde enttäuscht – wie bei René Benko steht zunächst nur die Vermögensverschiebung im Fokus. Die WKStA hatte bereits im September 2025 Anklage wegen betrügerischer Krida (§ 156 StGB) erhoben; es gilt die Unschuldsvermutung.

Wir halten fest: Unsere Berichte über Luxusreisen, Edel-Einkäufe und den anhaltenden Fuhrpark trotz Insolvenz (siehe Dossier-Hub unter wienerzocker.com/tag/lukas-neugebauer) haben eine breite Dokumentationsspur gelegt, die nun vor Gericht mit den Akten der Ermittler kollidiert. Der Fall LNR ist zudem rekordverdächtig bei Whistleblower-Hinweisen: Rund drei Dutzend Meldungen samt Belegen sind seit Sommer 2025 bei uns eingelangt.

Mehr zum Akt Lukas Neugebauer.

Worum es in dieser Runde (nur) geht

Die Staatsanwaltschaft zeichnet – vereinfacht – das Bild eines Schuldners, der nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens weiterhin überhöhte private Ausgaben tätigte und dadurch Gläubigerbefriedigung schmälerte. Dieses „Krida-Kapitel“ ist juristisch überschaubar, politisch brisant – und taktisch klug: Vermögensverschiebungen sind oft schneller beweisbar als komplexe Kreditketten.

Worum es (noch) nicht geht

Der Kernkomplex „systematische Überfinanzierung / Kettentransaktionen“ – also das, was wir seit Monaten als Zocker-Modell beschreiben – bleibt vorerst Nebenlinie. Genau hier liegt die Parallele zu Benko/Signa: Auch dort wurden zuerst Asset-Moves justiziell angegangen, während der große Strang (Bewertungen, Banken, Verantwortlichkeiten) länger kocht. Benko erhielt inzwischen zwei nicht rechtskräftige Urteile; bei Neugebauer stehen nach Aktenlage Gesamtschäden im deutlich niedrigeren dreistelligen Millionenbereich im Raum – aber das Modus-Operandi ist erkennbar verwandt.

Puzzlestücke aus den Ermittlungen – und aus Wiener Zocker-Recherchen

Die Anklage: Obwohl über sein Vermögen im Oktober 2024 ein Insolvenzverfahren eröffnet wurde, soll Neugebauer zwei Konten in Litauen und Deutschland nicht offengelegt haben. Über diese Mittel habe er – laut Anklage der WKStA – weiterhin einen luxuriösen Lebensstil finanziert, darunter Reisen nach Dubai und auf die Malediven sowie Einkäufe in Luxusgeschäften. Insgesamt seien rund 145.000 Euro abgeflossen; damit habe er die Gläubigerbefriedigung geschmälert und den Tatbestand der betrügerischen Krida (§ 156 StGB) verwirklicht.

Es gibt aber noch mehr Puzzle-Teile in diesem Vermögens-Reigen:

  • Post-Insolvenz-Flows: Ermittlerkreise sprechen von Geldbewegungen in den Monaten nach Konkurseröffnung, teils ins Ausland; Namen, Firmenhüllen und Treuhandkonstrukte wiederholen sich.
  • Rolle Markus Pospichal: Nach übereinstimmenden Insider-Hinweisen kooperierte Pospichal in den letzten Monaten eng mit Neugebauer und half bei Transaktionen. Juristisch heikel, politisch delikat – und für das Gesamtbild zentral.
  • Nahestehende Bieter & Stiftungsachse: Von der E.G.N.-Privatstiftung bis zu Zuschlägen an Umfeldpersonen (z. B. Kaiserstraße 80) zeigt sich ein Muster: Wertekreise schließen sich, während Gläubiger offenbleiben.
  • Luxus trotz Pleite: Urlaube, Uhren, Autos – kein Tatbestand für sich, aber Indikatoren dafür, wie Prioritäten gesetzt wurden. Genau das adressiert das Krida-Verfahren.

Warum diese Prozess-Strategie Sinn ergibt

Die Justiz nutzt das „Al-Capone-Prinzip“: Man geht zuerst auf das Greifbare (Krida), um Druck für die großen Komplexe aufzubauen (Überfinanzierung, Betrug, Untreue). Für die Öffentlichkeit wirkt das klein – für Ermittlungen ist es ein Türöffner. Der eigentliche Showdown wird dort stattfinden, wo Gutachten, Kreditakten und Bewertungssprünge auf Fakten treffen.

Was jetzt wichtig wird

  1. Geldtrails nach Konkurseröffnung (Zeitpunkt, Konten, Treuhänder).
  2. Nähebeziehungen bei Zwangszuschlägen und Verkäufen (Strohmann-Risiken).
  3. Bankprozesse: Wer prüfte welche Bewertungen – und warum reichte das?
  4. Kommunikation (Mails/Chat): Entscheidender Stoff für Vorsatz und Rollen.

Einordnung im österreichischen Kontext

Österreich war – nüchtern betrachtet – Hotspot der Immobilien­spekulation: billiges Geld, politischer Rückenwind, schwache Kreditkultur. Dass Benko und nun Neugebauer in Vermögensverschiebungs-Prozessen landen, ist Konsequenz dieser Gemengelage. Es braucht jetzt konsequente Aufarbeitung – in den Gerichtssälen und in den Kreditinstituten.


Informationen Bitte

Wir danken unseren Whistleblowern für Dokumente, Fotos und Mails, die wir forensisch geprüft haben. Insider, Banker, Prüfer, Mieter – Ihre Hinweise zählen. Schreiben Sie an office@wienerzocker.com oder kommentieren Sie unter den Artikeln. Anonymität wird gewahrt.

Hinweis: Es gilt die Unschuldsvermutung. Wir berichten fortlaufend und verknüpfen diese Prozessserie mit unseren Analysen auf Wiener Zocker.

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